Chefchaouen: Die blaue Stadt

Marokko Weltreise
on
16. Juli 2018

Wir waren von den Erlebnissen und den Gassen der Medina von Fès erschöpft und schafften es in einen Bus nach Chefchaouen. Während der Fahrt passierte nicht viel. Wir sahen einige wenige Schafe mit ihren Hirten an den Rändern der Steppe und alle Mitreisenden schienen sich auch sichtlich von den Strapazen der letzten Tage zu erholen. Wir bemerkten während der Fahrt in den Norden, dass die Landschaft sich veränderte. Die Flächen wurden grüner und es gab viel mehr Bäume. Das ließ darauf schließen, dass es hier mehr Wasser gab als im Süden.

Wir waren gespannt, was uns die blaue Stadt für Eindrücke mitgeben würde. Mahtab und ich haben bereits viel gelesen und dass sich wohl ein längerer Aufenthalt nur wenig lohnen würde. Trotzdem entschlossen wir uns für ein Hostel für eine Nacht. Allein um ein wenig an unseren Beiträgen arbeiten zu können. Zudem haben wir eine Aufgabe, die wir erfüllen müssen.

Chefchaouen

Hier ist so gut wie alles blau. Die Wände, die Straßen, sogar die meisten Menschen sind blau gekleidet. Wir trafen einige Einheimische während unserem Besuch und auf die Frage, warum die Stadt blau sei, sagte er „That is a good question!“. Geschichtlich scheint es wohl so, dass etwa 35000 Türen und Wände blau und weiß gestrichen wurden. Angeblich, um die Stadt frischer zu machen und Fliegen fernzuhalten. Unserer Meinung nach hat das nicht so gut funktioniert, es gibt immer noch eine Menge Fliegen. Aber die blaue Farbe ist erfrischend und beruhigend.

„Der blaue Tag“

Die Arbeitskollegen von Max hatten ihm während seiner letzten Tage mit einem schönen Geschenk beehrt und wir möchten euch natürlich daran teilhaben lassen. Es handelt sich um das Buch „Reiseführer des Zufalls„. In diesem Buch gibt es einige mehr oder weniger schwere Aufgaben, die wir erfüllen dürfen, um unser Reiseerlebnis noch schöner gestalten zu können. Für die blaue Stadt Chefchaouen, haben wir uns natürlich auch die passende Aufgabe ausgesucht.

Stehe zur blauen Stunde auf!

Wer es nicht weiß, die blaue Stunde ist eine magische Stunde für Fotografen. Hier hat das Licht eine schaurige Stimmung und mit den ersten Sonnenstrahlen entsteht ein Lichtmix, der genau komplementär zueinander ist. Das bedeutet, es ist möglich ganz besonders stimmungsvolle Bilder zu machen. Wer mehr lesen möchte, findet hier ein wenig mehr Informationen, falls ihr wunderschöne Bilder machen wollt.

Jedenfalls heißt das auch, dass wir um 4:30 Uhr aufstehen mussten, um diesen magischen Moment zu erleben und natürlich unsere Aufgabe abzuschließen. Mit einigem Murren machten wir uns also bei absolut stockfinsterer Nacht auf nach Chefchaouen. Hier stellten wir während der blauen Stunde fest, dass es sich nicht lohnt zur blauen Stunde in Chefchaouen aufzustehen. Leider geht die Sonne hinter der Stadt hinter einem großen Berg auf, deswegen sieht man die Sonnenstrahlen nicht.

Die Stadt war noch nicht wach und wir waren fast alleine unterwegs gewesen. Nach der ganzen Hektik in Fès war es für uns eine angenehme Abwechslung die stillen Momente des Morgens zu genießen. Die wenigen Menschen, die auf der Straße unterwegs waren, haben dafür mit sehr großer Begeisterung auf uns reagiert. Vor allem unser „Ana atekelam Arabic schwujia“ – „Ich spreche ein wenig Arabisch“ sorgten für Begeisterung bei einigen Händlern. Mahtab wird meist für eine Marokkanerin gehalten und die meisten Händler sind nach der Begrüßung etwas verwirrt, dass wir nicht weiter arabisch reden.

Folge jemanden mit einem blauen Kleidungsstück.

Voller Energie schritten wir durch die Gassen der Medina zum höchsten Punkt, um einige Fotos zu machen. Das war auch nötig, da um 7:00 Uhr noch kaum Menschen auf den Straßen waren. So war es natürlich noch schwieriger, jemanden zu finden, der ein blaues Kleidungsstück trug. Als wir also wieder nach unten in die Hauptstadt kamen, um jemanden zu folgen, entschlossen wir uns, uns in ein Café zu setzen. Wir wollten eigentlich schon aufgeben und so tun, als ob wir einem blauen Rucksack eines Reisenden gefolgt waren, der zufällig in diesem Café saß, entschlossen uns aber dagegen und suchten weiter.

In einer schönen Straße mit wunderschönen Wandmalereien von Chefchaouen wurden wir aber endlich fündig. Eine Frau mit einem wundervollen blauen Kleid ging auf dem Bürgersteig in der typisch marokkanischen Geschwindigkeit, also folgten wir ihr ein Stück, und zwar so, dass wir nicht besonders aufgefallen sind. Jedoch wurde uns recht schnell langweilig, da die Geschwindigkeit doch sehr langsam war und wir natürlich auch noch etwas von Chefchaouen sehen wollten.

Kaufe etwas Blaues!

Auf dem Markt haben wir bei einem alten Mann ein paar Kaugummis mit blauer Verpackung gekauft. Der Mann hat sich richtig gefreut, ein paar Ausländern etwas verkauft zu haben und hat mit uns Zahlen in arabisch geübt. Die Kaugummis waren sehr süß und haben uns ein wenig an Kaugummis aus unserer Kindheit erinnert. Die Verpackung der Kaugummis war dunkelblau und deswegen mussten wir die nächste Abzweigung nach rechts abbiegen. Und so taten wir das auch. Hier fanden wir weitere Wandmalereien von Chefchaouen und einen herrlichen Ausblick auf die umgebenden Gebirge.

Suche einen Ort mit Wasser!

In Marokko gibt es nicht so viel offene Wasserstellen, bzw. sie funktionieren nicht. Dementsprechend haben wir uns nach einer halben Stunde Suche dazu entschlossen, diese Aufgabe aufzugeben. Insgesamt fanden wir, war es dennoch ein erfolgreicher und schöner Tag in Chefchaouen, der blauen Stadt.

Das war eine schöne Abwechslung zu den ganzen Gedanken, die wir vor der Reise hatten oder der etwas chaotischen Ankunft in Fès. Wir haben den Tag sehr genossen und freuen uns schon auf weitere Abenteuer.

Die Abreise

Wir verbrachten also insgesamt zwei Tage in Chefchaouen – sozusagen zwischen den Hörnern. Als wir uns zum Busbahnhof aufmachen, sind wir ziemlich müde aber auch sehr zufrieden mit unserem Ergebnis. Wir besteigen also das Taxi und bezahlen 30 Dirham, um uns zum Busbahnhof fahren zu lassen. Wir waren zu müde zum Verhandeln, also bezahlten wir und freuten uns schon darauf, uns endlich im Bus auszuruhen und einige Stunden schlafen zu können.

Als wir den Busbahnhof erreichen und unser Gepäck aufgeben möchte, gab es eine Überraschung. Der Angestellte am Schalter sagt uns, dass wir erst 30 Minuten vor Abreise unser Gepäck abgeben können. Wir schauen uns verdutzt an. Bei der ganzen Müdigkeit haben wir es tatsächlich geschafft etwa eine Stunde zu früh am Busbahnhof zu sein. Wir verbuchten diesen Punkt auf deutsche Pünktlichkeit und setzten uns auf eine Bank.

Max konnte hier seine minimalen Fähigkeiten in der Gebärdensprache auspacken. Als wir auf dem Bus warteten, sprach ein Mitarbeiter von CTM Max mit Gebärdensprache an und Max konnte tatsächlich ein wenig antworten, nicht viel aber immerhin. Der Mitarbeiter war so begeistert, dass er die ganze Zeit versuchte, weiter mit Max zu reden. Doch natürlich waren seine Wissenspunkte schnell erschöpft, was dazu führte, dass der Mitarbeiter sich vor allem bedankte 😊.

Als wir also so saßen und unsere Vorräte plünderten, trafen wir auf ein Paar, das auch merklich große Rucksäcke bei sich trug. Natürlich gibt es jede Menge Gesprächsthemen, wenn Backpacker aufeinander treffen. So erfuhren wir, dass die beiden bereits seit einem Jahr Weltreisende sind, die von Südkorea ohne Englischkenntnisse losgereist sind und in Australien in zwei Monaten Englisch „gelernt haben“. Eigentlich hätten sie nur Party gemacht, haben sie erzählt und viele Freunde dort getroffen. Als sie erfuhren, dass wir tauchen möchten, haben sie uns empfohlen in Cenote in Mexiko vorbeizuschauen. Die Bilder, die sie auf ihrem Instagram veröffentlicht haben, sehen schon wirklich super aus.

Nachdem der Bus also etwa 40 Minuten Verspätung hatte und wir zwei neue Freunde finden konnten, ging es also los mit der Reise nach Tangier.

Wir sind gespannt auf eure Reisebekanntschaften und Tipps, die ihr auf euren Reisen erhalten habt, oder habt ihr möglicherweise Tipps für unsere Reise, lasst es uns in den Kommentaren wissen.

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