Essaouira – Freunde und Steine

Marokko Weltreise
Am
24. August 2018

Was für ein Spaß und was für ein Chaos hat uns den in Essaouira erwartet. Als wir im Hostel in Agadir saßen und uns dachten, lass uns doch mal die nächste Location buchen hätten wir nicht ahnen können was uns da erwartet. Ein absolutes Abenteuer, das am Ende sogar bei der Polizei endete. Aber bevor ich zu viel verrate, bitte lest doch weiter.


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Der Weg nach Diabat

In Agadir suchten wir uns also das nächste Hotel und haben einige sehr interessante Berichte auf TripAdvisor über ein Hostel gelesen die ein einmaliges Erlebnis versprechen. Genau das richtige für uns Draufgänger dachten wir uns. Nach unserer langen Pause durch Krankheit und Erschöpfung, dachten wir uns: „Zurück ins Abenteuer“. Also unser neues Ziel war klar, das Yellow Submarine in Diabat versprach alles. Eine besondere Location, Nähe zum Strand und einen absolut großartiges Flair, dass man erleben musste.

Also CTM Ticket nach Essaouira gebucht und ab zu unserem „Artel“, was auch immer das bedeuten mag. Der Hostelbesitzer, Abel, schreibt uns direkt nach der Buchung an und schreibt uns direkt den Taxipreis bis zum Hostel! Großartig keine Verhandlung im Taxi, dachten wir noch glücklich. Aber wenn wir eins in Marokko gelernt haben sollten, dann das es nur sehr selten ohne Verhandlung und Diskussion funktioniert. Wir steigen also in der Bushaltestelle in unser Taxi und sagen dem guten Mann zum Jimi Hendrix Hotel in Diabat für 25 Dirham.

Taxifahrt widerwillen

Alles klar, Taxi setzt sich in Bewegung, nur um einige Sekunden später wieder zu stoppen. Der Fahrer fragt uns nochmal, wohin genau wir müssen. Etwas genervt zeigen wir ihm noch einmal die von Abel gesendete Adresse. Der Taxifahrer lacht und sagt, für den Preis fährt er nicht dahin, das sind mindestens 70 Dirham. Wir sehen uns an  und waren total überrascht über diese neue Erkenntnis und verlassen das Taxi. Da wir von Abel erfahren haben das ein Taxi nach Diabat nur 25 Dirham kosten darf, wollten wir natürlich auch nicht zu viel bezahlen. Also standen wir etwas ratlos in irgendeiner Gasse in Essaouira. Wir liefen also der Straße entlang und mit einem Mal steht ein Taxi da, ruft Diabat für 30 Dirham. Nein, dieses eine Mal wird uns kein Taxifahrer übers Ohr hauen. Mahtab und ich rufen beide in das Taxi 25 Dirham. Mit Erfolg! Der Taxifahrer stimmt zu und lässt uns einsteigen und fährt uns nach Diabat.

Das Taxi rauscht also aus Essaouira heraus, ein Kreisverkehr jagt den nächsten und die Geschwindigkeit ist gewohnt hoch. Plötzlich bremst das Taxi ab und der Fahrer entscheidet sich für eine merkwürdige Route direkt über eine große Baustelle. Alle Schilder ignorierend und mit Vollgas über Schotter und Stein geht es weiter, bis wir am Horizont einige beschauliche Häuser sehen. Marokko ist einfach wunderschön und selbst kleine Dörfer sind einfach fotogen, selbst mit der Baustelle vor dem Ort, möchten wir am liebsten alles mit unserer Kamera ablichten. Das Taxi hält also auf das Dorf zu und schmeißt uns auf der Straße heraus und der mürrische Taxifahrer erhält seine 25 Dirham.

Das Yellow Submarine

Wir folgen also der Wegangabe von Abel in das Hostel und sehen bereits aus einiger Entfernung ein knalliges Graffiti mit der Aufschrift „Yellow Submarin“ mit dem Untertitel „Why not now?“. Und als wir dann noch die Tür mit der netten Aufschrift „BE COOL“ gesehen haben wussten wir, dass wir richtig sind. Bereits die Klingel hat uns erstaunt, den anstatt eines nervigen Klingel Geräusches, zirpten einige Vögel und verkündeten unser eintreffen.

Yellow Submarine Essaouria
Quelle: https://www.german.hostelworld.com/hosteldetails.php/Yellow-Submarine/Essaouira/281449

Eine junge Dame öffnete die Tür, die sich schnell als Maryam vorstellte. Sie begleitete uns hinein und ab jetzt wussten wir, hierbei handelt es sich nicht um jedes 0-8-15 Hostel, sondern um etwas ganz besonderes. An den Wänden waren überall Farben, Gitarren, Schriftzüge in unterschiedlichsten Sprachen, Werkzeuge und selbst Angeln waren vor der künstlerischen Art nicht sicher. Wir waren angesichts der vollkommen anderen Umgebung absolut sprachlos und wussten auch nicht so recht, was wir sagen sollten. Maryam bemerkte schnell unseren Blick und zeigte uns schnell unser Zimmer. Auch hier waren wir wieder über so viel Kreativität begeistert und schockiert zugleich. Es handelte sich um eine Art Kammer auf der Terrasse des Gebäudes. Eine Brettertür hat den Raum abgetrennt und der Wind konnte ungehindert durch jede Fuge des Raumes ziehen und der Raum war sehr klein und eng. Egal dachten wir uns, wir sind hier um Abenteuer zu erleben und das haben wir auch.

Auf den Spuren des Weltkulturerbes

An dem Tag waren wir noch kurz in Diabat, dem Vorort von Essaouira spazieren und haben die Gegend noch ein wenig unsicher gemacht. Nachdem uns aber der starke Wind so viel Sand ins Gesicht gestreut hat. Gaben wir für den heutigen Tag auf und gingen zurück ins Hostel und bestellten bei Mariam ein paar Nudeln.

Der nächste Tag wurde sehr interessant, wir sind aufgestanden und nach einem super Frühstück machten wir uns direkt auf in die Stadt. Sparsam wie wir sind, natürlich zu Fuß. Wir benötigten auch nur etwa eine Stunde von Diabat nach Essaouira.

Nachdem wir in Essaouira angekommen sind, haben wir uns als Erstes in der Medina umgesehen. Da wir absolute Medina Profis geworden sind, machte uns diesmal keiner etwas vor. In perfektem Tempo haben wir alle wichtigen Sehenswürdigkeiten gefunden. Wie zum Beispiel die von der UNESCO als Weltkulturerbe deklarierte Mauer, die von europäischen Ingenieuren errichtet worden ist, um sich gegen Feinde auf dem Meer zu verteidigen.

Wir staunten über die Stadtmauer als wir plötzlich Hunger verspürten und wir uns, auf die Suche nach etwas zu essen machten. Dabei sind wir auf das Tara Café in der Innenstadt gestoßen. Hier gab es hausgemachte Tanjine und frischen Fisch. Das hat durch das super freundliche Personal gleich noch besser geschmeckt und die Säfte waren der Hammer. 🙂

Der Fischmarkt von Essaouira

Gestärkt und mit schmerzenden Füßen ging es weiter durch die Medina an zahlreichen Händlern und den unterschiedlichsten Waren vorbei, zur Promenade von Essaouira. Hier erstreckte sich der Hafen vor uns und mit ihm unzählige Möwen, die auf ein Festmahl warteten. Mahtab war von Ihrem Anblick vollkommen fasziniert, weil sie noch nie so viele Möwen an einem Ort gesehen hat und so schoss sie ein Foto nach dem anderen von den Vögeln und freute sich über jedes einzelne Bild. Die Tiere waren von der ganzen Aktion recht unbeeindruckt und hielten lieber Ausschau nach den Fischern die hin und wieder Fischabfälle von ihrem Kahn schleuderten.

Nachdem Mahtab ihre Begeisterung wieder ein wenig unter Kontrolle hatte, ging es für uns weiter auf den Fischmarkt. Hier boten viele Händler ihre Fische direkt von ihren Booten. Als wir so durch den Hafen schlenderten, fragen wir uns warum überall Wasser auf dem Boden war und alles sehr matschig war. Später fanden wir den Grund heraus, damit der Fisch frisch bleibt wird er auf Eispaletten transportiert, dass wiederum bei der Wärme sehr schnell getaut ist und die Pfützen und den Matsch hinterlassen haben. Wir schritten also über den Markt und bestaunten das Spektakel. Es war wirklich faszinierend wie Händler und Käufer um Preise feilschten, Fischer ihrem Tagewerk nachgingen und Möwen versuchten sich von den Ständen Fische zu schnappen.

Einen Tag mit Abel

Der nächste Morgen brach an und wir sahen bereits Abel am Tisch sitzen. Wir setzen uns zu ihm und nach einigen Worten, in der er uns seine letzten drei Urlaubstage beschrieb, in der er mit einigen Holländern durch Marokko zog, um Party zu machen. Erklärte er uns das er jetzt auch auf eine Weltreise gehen möchte und er sich einfach nicht entscheiden können, welches Land den das beste sei. Er hat uns angeboten, dass er das Quad tankt und wir zusammen in die Stadt fahren und dort unseren Tag gemeinsam verbringen. Da wir sowieso nicht planen kam uns das gerade recht.

So kam es das wir wenige Minuten später, zu dritt auf einem Quad saßen. Er gab richtig Gas und bremste auch nicht für Hügel, sodass wir das Gefühl bekommen haben vom Quad zu fliegen.  Er fuhr mit uns zum Strand und wir beobachteten die Leute und Kamele an uns vorbeiflitzen. Es dauerte nicht lang und wir waren bereits in Essaouira und Abel parkte sein Quad und rief noch einigen Leuten etwas auf Arabisch zu, bevor wir losmachten.

Zuerst gingen wir in die Medina. Wir mussten erstmal ein zweites Frühstück nehmen, war die Aussage von Abel. So gingen wir in das Cafe Chez Driss. Dieses Café war der Wahnsinn, über all waren Bilder von Künstlern ausgestellt und es waren wirkliche Meisterwerke mit dabei. Zu allem Überfluss waren die Törtchen und Süßen Stückchen auch noch super günstig.

Danach gingen wir noch Pool spielen, wir spielten ein paar Runden, bis uns langweilig wurde und wir gingen zurück Richtung Quad. Dabei begleitete uns Abel in ein Restaurant, das direkt am Strand lag. Hier konnten wir uns richtig entspannen und den Tag genießen. Abends kochte Abel noch für uns und wir spielten gemeinsam Schach in seinem Artel.

Einen Steinwurf weit entfernt

Am vorletzten Tag unseres Aufenthaltes wurde es noch einmal richtig voll im Artel. Mit einem Mal kamen sechs Jungen aus Deutschland und noch ein Pärchen aus Österreich in das Artel, das nicht unbedingt als das Geräumigste seiner Art gilt. Jedoch arrangierten wir uns recht schnell und es wurde ein gemütlicher Tag. Als Mahtab und ich uns schlafen legten, waren die Jungs noch fleißig am Reden und leise am Musik hören.

Laute Stimmen, Poltern und plötzlich knallte es, aber nicht nur einmal, sondern wie ein Dauerfeuer. Ich sprang auf und schaute zu Mahtab. Die im Stockwerkbett über mir geschlafen hat. Es knallte weiter, und zwar immer lauter, ich fragte Mahtab was wohl die Jungs angestellt haben, das Abel so sein Zimmer auseinander nimmt. Als wir uns getraut haben aus dem Fenster hinauszublicken, sahen wir wie die Jungs sich auf der Dachterrasse mit Kissen gegen Steine, die von außen in das Artel geschmissen wurden, verteidigten. Als es sich kurz beruhigte, wartete Abel noch einmal kurz und schrie etwas auf Arabisch hinaus und die Jungs rannten so schnell wie sie konnten die schmale Leiter nach unten.

Der Polizeiruf

Er wollte die Polizei rufen und wir wollten ihm dabei helfen. Jedoch ging einfach keiner ran, egal welche Nummer wir anriefen.

  • 112 – Besetzt
  • 19 – Besetzt

Nach einer Weile fragte uns Abel, welcher Wochentag gerade ist. „Sunday“ – Sonntag sagten wir, wie aus einem Mund. Abel sagte nur „Oh shit“. Wir fragten uns ab jetzt alle dasselbe. Arbeitet die marokkanische Polizei möglicherweise nicht am Sonntag?

Zum Glück kam Abel nach einer gefühlten Ewigkeit doch noch durch und erreichte die Polizei, die schickte direkt zwei Beamte. Diese amüsierten sich nicht schlecht 8 Deutsche zusammengekauert in einem Raum nach der Polizei zu rufen. „Die hättet ihr doch auch ohne uns fertig gemacht“… Tja Polizeiarbeit wird überall anders aufgenommen.

Am Tag darauf gingen wir alle geschlossen zur Polizei. Abel musste insgesamt drei Taxis ordern, die alle mit zum Revier fuhren. Nach einer zweistündigen Zeugenaufnahme konnten wir auch wieder gehen. Später an dem Tag erfuhren wir, dass alle Steinewerfer gefangen genommen werden konnten und auf ein Urteil warten würden. Die sechs deutschen Jungs überlegten noch, ob sie an diesem Abend abreisen sollten und wir, die sowieso gehen wollten waren eigentlich auch nicht traurig über einen schnellen Abschied. Aber nachdem Abel uns beruhigt hat und uns eine kostenfreie Nacht sowie Essen angeboten hatte, blieben wir doch und genossen die Gesellschaft der Truppe.

Das waren unsere Erlebnisse in Essaouira. Schreibt uns, wenn ihr das interessant fandet und wenn wir uns irgendwie verbessern können : ).

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