Himeji – Hoch hinaus im historischen Japan

Japan Weltreise
Am
1. Februar 2019

Nach unserer Reise in Kyoto ging es weiter mit dem Zug nach Himeji. Leider ging hier nicht alles reibungslos und wir standen plötzlich in einem ziemlich leeren Abteil, als Max einen Zugführer fragte, auf Englisch antwortete er nur mit „Plattform one“. Es war ein wenig unheimlich, da wir nicht wussten, was los war und die japanischen durchsagen auch nicht wirklich geholfen haben. Aber am Ende ging alles hervorragend. An der Stelle muss ich einmal mit einem Vorurteil bei einem Besuch in Japan aufräumen.

Jedenfalls erreichten wir Himeji alsbald und konnten uns am Bahnhof umsehen, der kleiner ausfiel, als die anderen Bahnhöfe die wir bis jetzt in Japan gesehen haben. Aber diesmal war wieder eine Besonderheit für uns, wir hatten ein Hotel gebucht und liefen direkt hin um einzuchecken. Die Aussicht, die wir aus unserem Zimmer hatten, war einfach zauberhaft. Wir waren im achten Stock und hatten die Abendsonne im Zimmer. Die Sonne mit den unterschiedlichen Farben am Himmel über japanischen Häuser zu sehen, hat uns ganz schön stolz gemacht, dass wir diese Reise angetreten haben.


Himeji Castle – Himejijo

Am nächsten Tag wollten wir natürlich etwas von Himeji sehen. Also machten wir uns auf zum Himeji Castle oder auch Himejijo genannt. Die Wehranlage ist auch unter dem Namen „The White Heron Castle“ bekannt. Den Namen verdankt es seiner Schönheit und seiner weißen Oberfläche. Im Vergleich zu den anderen Schlössern in Japan ist es noch eines das als „Originales Schloss“ gilt, das heißt im Vergleich zu anderen Bauwerken dieser Art wurde es nie durch Feuer, Krieg oder Erdbeben zerstört. Und wie so oft in Japan gehört es zu den Weltkulturerben.

Also wenn, dass nicht genug gute Gründe für uns sind dort einmal vorbeizuschauen. Nachdem wir gefrühstückt hatten, starteten wir unsere Reise. Zunächst mussten wir durch den Bahnhof laufen. Auf der anderen Seite konnten wir Himejijo bereits sehen. Majestätisch erstreckt sich die Burg über allen Häusern und Gebäuden und machte die Suche nach einer Karte absolut überflüssig. Wir liefen also direkt darauf zu und freuten uns über das gute Wetter und den wahnsinnigen Ausblick den das Schloss uns bot.


Trödelmarkt? Studententreffen?

Als wir uns dem Schloss näherten, sahen wir auf der Seite einen kleinen Festplatz und sahen sehr viele Menschen die an verschiedenen Ständen waren und es sah so aus, als würden sie irgendwelche technischen Dinge verkaufen. Neugierig geworden schlenderten wir über den Platz und betrachteten jeden Stand und wunderten uns immer mehr. Die Dinge wurden nicht wirklich verkauft, es war mehr eine Ausstellung. Die verschiedenen Artikel wurden gezeigt. Baupläne stolz von Schülern oder Studenten vorgestellt, es wurde viel diskutiert und viele Firmen waren auch vertreten.

Nach einer Weile machten wir eine Bühne in der Mitte des Platzes aus und als wir uns näherten, begann auch schon aus mäßigen Boxen sehr laute Musik zu spielen. Es saßen kaum Menschen im Publikum, also warteten wir nicht lange und nahmen Platz. Ganz aufgeregt was jetzt passieren sollte, starten junge Erwachsene mit sehr extravaganten Kleidern eine Show, für die es in sich hatte. Wir konnten live bei einer Modenschau dabei sein, auf der die Studenten ihre Kreationen vorstellen konnten. Natürlich waren wir direkt dabei mit den Kritiken und fanden auch schnell unser liebstes Kleid.

Als letzte Station kamen wir an einen Stand, an dem eine technische Fakultät eine Art Kreisel entwickelt hat, das geleuchtet hat und ein japanisches Schriftzeichen fallen lassen hat. Plötzlich haben ganz viele Leute auf Japanisch auf uns eingeredet und alle waren ganz aufgeregt mit dabei. Wir wussten gar nicht, wie uns geschieht haben aber das Interesse sehr genossen und auch der Professor hat versucht mit uns in Englisch zu reden und nach gut 30 Minuten des unverständlich drein Blickens, hat er uns zwei Glücksbringer geschenkt (Wir glauben zumindest das es Glücksbringer waren). Diese werden später noch sehr wichtig.


Ab in die Burg

Nachdem wir uns ganz begeistert die verschiedenen Stände angesehen haben, beschlossen wir weiter zu Himejijo zu gehen. Es war einfach wunderschön. Zunächst ging es über eine Brücke über den Burggraben in den Innenhof. An den Burgmauern war eine Legende verewigt. Der Shogun hatte, damals nicht genug Steine um die Mauer vollständig zu errichten, also konnte angeblich die Mauer nicht schnell genug fertiggestellt werden. Daraufhin hat eines Müllers Frau dem Shogun ihre alten Mühlsteine gespendet. Der Shogun war sehr dankbar und andere Müller wurden motiviert es ihr gleichzutun und somit besteht das Fundament von Himeji Castle aus gespendeten Steinen von Müllern.

Von hier aus mussten wir einige Treppen steigen, bis wir in die Burg gelangt sind. Hier galt es zunächst wieder die Schuhe auszuziehen und dann konnten wir einmal mehr durch die historischen Gänge der japanischen Geschichte wandeln. An den Wänden waren überall Schwerthalterungen da die Burg tatsächlich für den Krieg gebaut wurde. Ab dem zweiten Stock gab es für die Verteidiger Steinschächte durch die Steine auf die Köpfe der Angreifer geworfen werden konnten.

Es war für uns so beeindruckend, dass die Japaner, Krieg und Ästhetik so sehr verbunden haben. Die komplette Verarbeitung war unfassbar schlicht, aber einfach wunderschön. In den Innenräumen waren keine pompösen Möbel, dafür jedoch Bilder und Zeichnungen. Der Vergleich zu den Burgen in Deutschland, die absolut Funktional aufgebaut waren, ist wirklich schwer herzustellen.

Nach vielen sehr engen Treppen mit sehr vielen Menschen kamen wir im obersten Stockwerk an. Hier gab es einen kleinen Schrein und wir konnten die Umgebung in alle Himmelsrichtungen beobachten. Jetzt waren wir über allen Gebäuden in Himeji und konnten auf die schöne japanische Architektur hinabschauen.


Kokoen Garden

Mit dem Ticket für den Besuch für das Schloss von Himeji, haben wir auch ein Ticket für den Kokoen Garden erhalten. Diese Gärten sind sehr beliebt und bieten einen absoluten Ausstieg aus jeglicher Hektik. Die Ruhe und die Gelassenheit aller Menschen in den Gärten ist einfach herrlich. In den Seen schwimmen Kois und lassen sich durch kristallklares Wasser bestaunen. Die Bäume und die nach Zen aufgebauten Gärten sind einfach ein Genuss. Es hat uns ewig in den Gärten gefesselt und wir konnten richtig die Ruhe genießen.


Ryokan

Jetzt ging es auch schon zum Ende unseres Japan Aufenthaltes. Max war als Kind immer ein begeisterter Zuschauer von Love Hina, einem Anime, der von einem Jungen erzählt, der Hausverwalter in einem Ryokan wurde. Also wir mussten natürlich in einem Ryokan übernachten. Ein Ryokan zeichnet sich durch einige Dinge aus die wir wohl als Spa bezeichnen. Es gibt meist Zugang zu warmen Quellen, es gibt eine Massage Angebot, geschlafen wird auf Matten auf dem Reisboden. Also erfüllten wir Max den Wunsch in einem Ryokan zu übernachten für zwei Nächte.

Das Ryokan, das wir gebucht hatten, befand sich in der Nähe von Himeji. Lieder verließen uns die Möglichkeiten. Google Maps hatte uns nur den Weg von Himeji zu einem Bahnhof gezeigt, von dem wir dann noch 45 Minuten laufen hätten müssen. Also schrieben wir über Booking.com der Unterkunft, ob sie in der Lage wären für uns eine Fahrt zu organisieren. Es kam eine kleine Bestätigung, das wir gegen 16 Uhr an dem besagten Bahnhof sein sollen. Also machten wir uns auf ins Ryokan, voller Vorfreude und ein wenig besorgt, dass wir möglicherweise nicht abgeholt werden würden. Diese Sorge galt aber als unbegründet. Um Punkt 16 Uhr stand ein Wagen vor dem Bahnhof und sammelte uns und noch ein anderes Paar ein.

Von hier aus ging es ab ins tiefste Landgebiet von Japan, hatten wir zumindest das Gefühl. Laut unserer Kartenapp gab es in den nächsten 30 Gehminuten, na ja, nichts. Keine Einkaufsmöglichkeiten, kein ATM, kein Restaurant. Na gut einen Schrein und einige Häuser gab es und zu unserer Verwunderung einen Krocket Spielwiese. Raus aus dem Auto und rein ins Ryokan, wir waren so aufgeregt und begeistert.


Schritt I: Bezahlung

Wir kamen also an, wir dachten, dass wir bereits über die App bezahlt hätten, aber weit gefehlt. Also fragte uns der Mann am Empfang mit gutem Englisch nach seinem Geld, dieses wird in Japan eigentlich immer im Voraus bezahlt. Also streckt Max ihm seine Kreditkarte hin. Diese wollte er nicht, keine Kreditkartenzahlung möglich. Das hatten wir noch nie in Japan. Jetzt war guter Rat teuer, wenn wir uns an vorher erinnern, hier gab es nichts! Also mussten wir eine Fahrt in die nächste Stadt buchen am nächsten Morgen um dort zu einem ATM zu kommen.

Doch dann ging es los, endlich konnten wir einchecken und gingen direkt in unser Zimmer, von dem wir so viel Gutes gehört hatten. Wir betraten also das Zimmer und der Geruch der Reismatten schlug uns entgegen. Im ersten Moment stutzten wir, aber der Geruch hat eine wahnsinnig beruhigende Wirkung auf uns gehabt. Wir öffneten die Schiebetür und fanden uns in einem schönen großen Raum wieder. Hier war ein kleiner Tisch in der Mitte aufgestellt mit zwei Stühlen und an der Seite lagen unsere Schlafsäcke für uns bereit.


Schritt 2: Die richtige Bekleidung

In einem Ryokan gibt es eine gewisse Kleiderordnung, hier gibt es Damen und Herren Kimono. Diese waren natürlich alle viel zu klein für Max, jedoch zog er ihn dennoch an. Wichtig ist hierbei auch das der Kimono richtig angezogen wird. Die Falte des Kimonos darf nicht nach rechts geöffnet sein, das ist nur den toten Vorbehalten. Es war wirklich hilfreich, dass wir im Ryokan eine komplette Betriebsanleitung erhalten haben mit Dingen die wir machen dürfen, sollen oder können. Es wurde sogar beschrieben, wie genau wir die verschiedenen Becken in den Quellen nutzen dürfen.

Während wir also die Anleitung studierten und uns vorbereiteten, tranken wir Tee und machten es uns mit einer Kerze so richtig gemütlich. Es gab ja sonst nichts zu tun hier im Ryokan. Abends beschlossen wir uns also ins Wasser zu begeben.


Schritt 3: Richtig Baden

Zunächst ging es von unserem Raum hinaus in einen Gang, der für die Bäder vorbereitet war. Hier gab es auch eine Massage Sektion, in der wir uns massieren lassen konnten für kleine Münze. Hier gab es auch einen kleinen Kiosk und einige Verkaufsmaschinen mit Bier und Snacks. Max wurde hier das erste Mal etwas merkwürdig von den Verkäufern angeschaut. Der hat uns dann angesprochen und hat eine Kollegin weggeschickt und bat uns kurz zu warten. Nach einer kleinen Pause kam sie zurück mit einem frischen und extra großen Kimono so das Max sich richtig anziehen konnte.

Dann ging es los mit dem Wohlfühlprogramm. Die Basics gab es alle, überall standen Shampoo, Badeseife und so weiter herum. Männer und Frauen waren hier strikt getrennt, aber um kurz zu einigen Details zu kommen. Zunächst haben wir uns vollständig entkleidet und uns an einen der zahlreichen Duschen abgewaschen und die Haare und den Körper gewaschen. Danach durfte man sich eines von drei unterschiedlichen Bädern aussuchen die sich in der Temperaturen unterschieden. Zudem gab es noch ein Dampfbad und eine Sauna. Es war einfach fabelhaft unter freiem Himmel in einem der Bäder zu liegen. Wir hatten sogar einen Fernseher. Es war einfach wunderbar und total entspannend.


Das Leben im Ryokan

Am nächsten Morgen sind wir vor dem Frühstück erst mal spazieren gegangen und haben die Gegend ein wenig unsicher gemacht. Unterwegs sind wir zu einem Krocket Feld gegangen. Auf dem Weg haben wir eine Frau getroffen. Die Frau konnte kein einziges Wort Englisch sprechen. Nachdem sie aus dem Auto ausgestiegen ist, schenkte sie uns einfach so als allererste Mandarinen. Danach lief sie zu ihrem Auto und holte zwei Schläger für uns und hat uns praktisch verpflichtet mitzuspielen! Wir haben natürlich mitgespielt und richtig Spaß gehabt. Es ist dieses Verhalten von Menschen, das uns einfach nur Glücklich macht und uns zum Nachdenken bringt, wie wir in Zukunft auch etwas besser sein wollen.

Nachdem wir zurück zum Hotel gegangen sind, haben wir gefrühstückt. Das Frühstück war hervorragend. Aber leider bestand nur aus dem Fisch, was für unseren Morgen doch etwas ungewöhnlich ist.

Am zweiten Abend wollten wir ins Restaurant gehen und etwas essen, leider war es bereits geschlossen, als wir dort ankamen. Das war furchtbar, da es ja wie bekannt im nächsten Umkreis nichts gab. Zum Glück kam eine Frau uns entgegen, die uns anbot uns mit in die Stadt zu nehmen und auch so lieb war uns gleich wieder zurückzufahren. Das nahmen wir natürlich gerne an und haben uns im Seven Eleven mit allem Lebensnotwendigen eingedeckt. Nachdem wir uns etwa tausendmal bedankt haben, schenkten wir Ihr unseren Talisman, den wir in Hemiji geschenkt bekommen haben.


Abreise ab zum Flughafen

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Der Abschied von Japan rückte immer näher. Wir packten unsere Sachen und verabschiedeten uns schweren Herzens vom Ryokan und machten uns auf den Weg nach Himeji um von dort aus zum Flughafen zu fahren. Mit dem Zug ging es nach Kobe und von dort aus mit dem Bus nach Kansai Airport. Uns hat hier noch ein Schock erwartet. Max hat für die Busfahrt bereits die Nahverkehrkarten aufgeladen. Als wir dann aber an der Bus Station angekommen sind, konnten wir aber nur mit Bargeld bezahlen. Nach zwanzig Minuten hin und herlaufen und die Leute fragen, haben wir zum Glück aber erfahren, dass wir im Bus doch mit der Karten bezahlen konnten.

Leider mussten wir Japan schon verlassen. Es waren wundervolle Tage und wir freuen uns schon auf das nächste Mal, wenn wir hier sein dürfen.

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